

Unsere Familien haben noch nicht die gleichen Rechte wie andere Familien, wobei unserer Erfahrung nach die Gesellschaft schon weiter ist als die Politik. Im direkten Kontakt machen wir fast nur positive Erfahrungen, trotzdem macht sich die strukturelle Schlechterstellung deutlich bemerkbar.
Zum Beispiel im Geldbeutel: Durch die unterschiedliche Besteuerung fehlen einer durchschnittlichen lesbischen Familie in eingetragener Lebenspartnerschaft im Vergleich zu einer ähnlich strukturierten Heterofamilie jeden Monat bis zu einigen Hundert Euros. Was den Kindern damit über die Jahre entgeht, kann jede/r selbst ausrechnen. Und das dient dem Kindeswohl?
Zum Beispiel bei der Kinderwunschbehandlung: Ob eine/r einen Kinderwunsch hat, ist unabhängig von der Lebensform. Gute Elternschaft ist unabhängig von der Lebensform, vom Geschlecht der Eltern. Was uns von heterosexuellen Menschen unterscheidet, ist, dass "es" nicht einfach so passiert. Das hat den Vorteil, dass wir nicht ungewollt Kinder in die Welt setzen. Und den Nachteil, dass wir etwas mehr dafür tun müssen, mit Kindern leben zu können. Einer unserer möglichen Wege zum Kind führt über eine Kinderwunschbehandlung - wie bei Heterosexuellen, bei denen es nicht so einfach klappt (das sind übrigens viel mehr, als man landläufig denkt). Nur mit dem Unterschied, dass wir das irgendwie nicht so richtig dürfen sollen. Und sich deswegen viele Ärztinnen und Ärzte nicht offen darauf einlassen. Dies bedeutet, dass wir häufig ein entwürdigendes Versteckspiel spielen müssen (z.B. den mitgebrachten Spender als Freund oder Mann ausgeben) oder ins Ausland fahren und/oder tief in die Tasche greifen müssen. Und das dient dem Kindeswohl?
Zum Beispiel bei der Adoption eines fremden Kindes: Lesben und Schwule dürfen nur als Alleinstehende adoptieren, nicht als Paar. Und das dient dem Kindeswohl?
Wird ein Kind in eine Lebenspartnerschaft hineingeboren, so ist es nicht automatisch das Kind der beiden Partnerinnen, sondern die nicht-leibliche Mutter muss das Kind erst stiefkindadoptieren. So löblich es ist, dass dadurch die Möglichkeit geschaffen wurde, dass ein Kind rechtlich zwei Mütter bzw. zwei Väter haben kann, so unpassend ist dieses Verfahren bei einem von Anfang an gemeinsam geplanten und umsorgten Kind. Und das dient dem Kindeswohl?
Wir meinen, dem Kindeswohl ist am besten gedient durch eine komplette Gleichstellung. Wir und unsere Kinder leisten einen wertvollen Beitrag für diese Gesellschaft, und wir verdienen Respekt. Wie alle anderen auch.
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